12.03.2012 8:56

Als Frau im Handwerk bestehen

Interview mit der Unternehmerin Claudia Hofmann, Juniorchefin, 3. Generation in einer Männerdomäne, dem Metallbau.

Jeder spricht davon, dass Frauen im Handwerk ihren Mann stehen müssen. Wie sind Ihre Erfahrungen als Chefin eines Handwerksbetriebs? 
Man muss seinen Mann stehen – das stimmt! In reinen Männerberufen dauert es schon seine Zeit anerkannt zu werden.

  • Im Studium war es wesentlich leichter als im Berufsleben, das muss ich zugeben. Gerade die ältere Männergeneration verlangt immer noch nach dem männlichen Sachbearbeiter. Wenn ich mit meinem Nachnamen eine Bestellung unterschreibe, dann wird meistens ein „Herr Hofmann“ daraus. Aber wenn die Herren erkennen, dass man auch Ahnung hat, sind sie die treusten Kunden. Es ist ein tolles Arbeiten. Nur wenige verkraften es nicht, dass sie eine Frau bedient. Aber da steh ich mittlerweile drüber. Meine Gesellen und Azubis kommen gut mit mir als Frau in der Chefposition zurecht. Die Arbeit mit meinen Männern macht Spaß, ich habe eine tolle Truppe und das ist für mich der Hauptantrieb. Es ist einfach ein gutes Gefühl, etwas zu fertigen und fertigen zu lassen. Und wenn die Kundschaft dann zufrieden ist und sich über eine neue tolle Zaunanlage freut, das macht meinen Job aus. Ich weiß ja, was für eine Organisation und handwerkliche Arbeit in so einer Leistung steckt. Und was gibt es besseres, als ein Lob vom Kunden !

    Gibt es besondere Vorteile, die Sie als Frau für sich in einer Männerdomäne sehen?
    Oh ja, aber es ist auch ein Fluch. Ich kann schon von weitem sehen, wie meine Herren in der Werkstatt „drauf sind“. Die Softskills sind bei Frauen oft feiner ausgebildet als bei Männern. Oft mache ich mir aber auch einfach zuviel Gedanken. Und die Beratung beim privaten Kunden zum Beispiel laufen von Frau zu Frau besonders gut. Als Frau stelle ich mich auf mein Gegenüber ein und nehme geäußerte Wünsche deutlich wahr. Hier ist also Frau sein, ein echter Vorteil. Ich verstehe einfach, was die Kundin gerne hätte.

    Was würden Sie einer jungen Kollegin als wichtigsten Leitsatz mit auf den Weg geben, wenn sie sich entscheidet, ins Handwerk zu gehen?
    Lass dich nicht unterkriegen und glaub an Dich! Und wenn Du in den Familienbetrieb gehst, dann kläre alles vorher! Und zwar schriftlich! Dann geh mit Elan Deinen Weg und habe keine Angst, auch mal Fehler zu machen. Denn nur wer sich bewegt, kann auch was erreichen!

    Liebe Frau Hofmann, danke für das heutige Interview und weiterhin viel Erfolg!

    Claudia Hofmann

    www.metallbau-goldbach.de
     Juniorchefin, 3. Generation, Karl Goldbach und Sohn GmbH und Co. KG, Hanau 
    40, verheiratet, 2 Kinder. Abi, Lehre als Metallbauer/Konstruktionstechnik – Abschluss mit Ehrung,
    Wirtschaftsingenieur Richtung Maschinenbau (inkl. 2 Auslandsaufenthalte Südafrika),
    Unternehmensberaterin im Bereich Managementinformationssysteme, seit über 11 Jahren im elterlichen Betrieb

     

    Ausgabe 2012/03 zum Download

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